Gerade weil es in der Psychotherapie unterschiedlichste Schulen und Strömungen gibt, ist es sinnvoll danach zu fragen, wie der Begriff Psychotherapie als Terminus, der all diese Schulen und Strömungen vereint, zu verstehen ist. Zuallererst kann Psychotherapie, aus dem antiken Griechischen, wörtlich mit Heilung der Seele übersetzt werden. Was aber ist mit dem Begriff Psyche gemeint? Wie ist Seele in diesem Kontext zu verstehen? Und was ist in Folge gemeint mit Therapie? Was bedeutet Heilung?

In seinem ursprünglichen Kontext des pantheistischen Kosmos des antiken Griechenland, kann die gesamte Welt als beseelt, als lebendiger Organismus verstanden werden. Der Begriff Psyche beschreibt eine doppelte Einheit, der Weltseele, sowie auch als persönliche, in der Weltseele geborgene Seele, wie sie sich in unserer unmittelbaren persönlichen Beziehung zur Welt manifestiert. Diese doppelte Natur des Menschen, unabhängig und doch Teil des Ganzen, zeigt sich in der Mythologie vieler Kulturen und spiegelt sich auch in der tiefenpsychologischen Zweiteilung von Bewusstem und Unbewusstem wieder.

In der wörtlichen Übersetzung des Begriffs Psyche als Atem oder Hauch, zeigt sich wie diese Einheit von Seele und Welt, nicht nur intellektuell verstanden, sondern auch unmittelbar körperlich erlebt werden kann. Nicht zufällig ist die Atem Meditation Basis für fast alle Traditionen von Trance und Meditation, denn der Prozess des Atmens kann, sowohl als willkürlich oder unwillkürlich empfunden werden. In ihm offenbart sich das Fließgleichgewicht, der Lebendigen, die Verbundenheit von Fauna und Flora, zugleich ist er der intimste Ausdruck unserer eigenen Lebendigkeit. Im Atem erfahren wir, was in der chinesischen Philosophie mit dem Begriff Tai Ji, die Einheit der Gegensätze gemeint ist, wir erfahren die ursprüngliche Bedeutung des hinduistischen Begriffes Karma „Wirken, Tat“, als Einheit von Handeln und Sich-Ereignen. Im Atem können die Erfahrungen: „Ich atme“ und „Ich werde geatmet“ gleichzeitig bzw. ineinander überfließend erlebt werden. Wir sind zugleich Welle, wie auch das gesamte Meer. In gewisser Weise ist alles, was passiert unser Tun. Im Alltag erleben wir das manchmal als unglaublich Last, weil wir alleine durch unsere Existenz auf alles eine Antwort finden, alles verantworten müssen, was uns zustößt, was uns passiert. Im Gefühl von der Welt getrennt zu sein kommt es uns vor als kämpften wir gegen die Welt. In der Meditation des Atmens erleben wir, dass diese Trennung zwischen uns und der Welt eine erlernte Erlebensweise ist, die aufgegeben werden kann. Heilung in der Meditation und den philosophischen Tradition, die sich aus den verschiedenen Arten der Meditation entwickelt haben, bedeutet, wie es auch das Sanskrit Wort Yoga, beschreibt, die Rückkehr zum Ganzen, die Kultivierung der Lebendigkeit. Es ist, wie es im altgriechischen „Therapia“ zum Ausdruck kommt zugleich Dienst am und Pflege des Lebens und Heilungsprozess in einem.

In dieser Weise kann Heilung abgeleitet vom germanischen Wort „Heil“- als „ganz“, „unversehrt“ und „gesund“ verstanden werden. Wenn wir heil sind, sind wir verbunden -eins mit der Welt- und diese Lebenshaltung ist Basis für, körperliche, geistige und seelische Gesundheit. Dieser kurze Einblick in den gemeinsamen Hintergrund von Psychotherapie und Meditation zeigt deutlich, dass es sich bei der Meditation keinesfalls um irgendeine Form von esoterischer Glaubenslehre handelt, auch wenn sich solche Systeme, rund um die Erfahrung von Meditation gebildet haben, sondern, dass es sich bei der Meditation tatsächlich um die Kontemplation und Kultivierung einer universellen Erfahrung des Menschseins handelt. In der Meditation wir klar, wir verstehen erst was Menschenseins bedeutet, wenn wir es als Teil des Eingebettet-sein in der Natur erleben.