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In meinen Recherchen zu den Ursprüngen der romantischen Liebe stieß ich auf Wundersames und ich kann nicht widerstehen, davon auch sogleich zu berichten…

Für meine Seminar-Reihe zum Leben von Liebe, Zärtlichkeit und Vertrauen war ich auf der Suche nach den Großen HeldInnen der Liebe aus Mythen und Geschichte.

Ich fand den Ursprung dessen, was wir heute „romantische Liebe“ nennen,

bei den adeligen Troubadouren des späten Hochmittelalters – und wenn man die heutigen Hollywood-Liebesfilme mit diesen Anfängen vergleicht, taucht unweigerlich die Frage auf, ob diese Filme nicht vielmehr dazu dienen, das, was ursprünglich romantische Liebe war, zu verunmöglichen. Nicht zufällig sind solche Liebesfilme meist freigegeben ab 10 oder 12 Jahren, weil, wer ihnen glaubt, dem fehlt es mit Sicherheit sowohl an geistiger Reife als auch an der Wildheit, welche die ursprüngliche romantische Liebe ausmachten.

Die ursprüngliche romantische Liebe war sowohl gekennzeichnet durch Leidenschaft, als auch durch die unglaubliche Raffinesse ihres Einfallsreichtums. Die Troubadoure, die sie erfanden, adelige Franzosen waren Aufrührer, Rebellen, aber nicht aus politischen Kalkül, sondern schlimmer; Sie waren Rebellen aus Leidenschaft, getrieben von der Liebe, zumeist von der des ersten Blicks.

Das war es, was die Kirche und die spätmittelalterliche Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzte. Um sich vor ihr zu schützen, musste die muslimische Kultur ihre Frauen bis über die Augen verschleiern. Es war die Stoßkraft der romantischen Liebe, die bis heute alle aus den verschiedensten Gründen aufstöhnen lässt: Ein einziger Blick könnte ausreichen, um alle bis dahin gesellschaftlich etablierten Regeln auszulöschen.

Für die romantischen Rebellen galten die Augen als Kundschafter des Herzens,

und wenn dieses Herz ergriffen wurde, galt, was es befahl, als heiliger und dringlicher als alle weltlichen und kirchlichen Gesetze.

„Omnia vincit Amor“ , Die Liebe übertrumpft alles!“ Will man verstehen, was dies für die damalige Kultur bedeutete, muss man in die Erwachsenabteilung modernen Films wechseln und würde wahrscheinlich eher bei Filmen wie „Natural Born Killers“ und „True Romance“ fündig – und selbst dort wird zensiert, was den HeldInnen der Liebe wirklich Kraft gibt. Der Akt der körperlich gelebten freien Sexualität ist bis heute gefährlicher als alle anderen Waffen dieser Welt und muss daher verborgen bleiben.

Die Freiheit der Liebe bedeutet heute wie damals nicht Regelosigkeit, sondern die Freiheit gemäß den eigenen Regeln zu leben, und dieses Leben gemeinsam in Liebe zu gestalten. Allein die Begegnung der Liebenden selbst bestimmt diese Regeln ihres Kennenlernens und ihres Zusammenlebens.

Während die Regeln des Eros, der allgemeinen Begierde und der Agape, der Nächstenliebe für alle Menschen mehr oder weniger gleich sind, erschafft Amor, die persönliche Liebe, für die Liebenden gänzlich eigene Regeln, die wie im Mythos von Tristan und Isolde zumeist von Beginn an auf Leben und Tod im Widerspruch zur allgemeinen Sittlichkeit standen: „Wenn du mit meinen Tod diese Liebesqual meinst, die ist mein Leben. Wenn du mit meinem Tod die Strafe meinst, die wir bei unserer Entdeckung erdulden müssen, so sei mir das recht. Und wenn du mit meinem Tod ewige Bestrafung in den Feuern der Hölle meinst, so sei mir das auch recht.“

Doch nicht immer war es den HeldInnen der Liebe von Anfang an klar in welche Gefahren sie sich durch ihre Liebe begaben.

Damit ihre Liebe stark genug war, der Welt zu trotzen, erfanden darum meist die Frauen Regeln in Form von Gefahren und Torturen, die Männer zu bewältigen und zu erleiden hatten, um sich der romantischen Liebe als würdig zu erweisen.

In Zeiten der Gleichberechtigung dürfen nun beide leiden, HeldInnen der romantischen Liebe sein, und ihr Leben aufs Spiel setzen, was ihnen in der Gesellschaft des Hochmittelalters den Titel „Savages“, „Wilde“ eingetragen hätte. Als „Wilde“ galt im Übrigen auch die Frau, die sich ohne jede „Prüfung“, ohne jedes „Vorspiel“ einem Mann hingab.

Im Feuer des Blickfangs der Liebenden ist genügend Macht um Gesellschaften zu stürzen, um Gesellschaften neu zu begründen, denn was immer die Liebenden tun, tun sie nicht in erster Linie für sich oder für den anderen, sondern für die Liebe selbst. Die Spiel-Regeln der romantischen Liebe werden also selbst erst aus dem Feuer der Begegnung der Liebenden entfacht. Doch dieses Feuer lodert hell und so brauchte es, wie es die Geschichte der romantischen Lieben zeigt nicht lange bis man dann die ganze Welt brennen sieht.

Zwar wurden die ursprünglichen Troubadoure der Ketzerei bezichtigt und ihre gesamte Tradition in einem der grausamsten Kreuzzüge der europäischen Geschichte ausgelöscht. Dennoch bliebt ihre Botschaft and die Welt unauslöschbar, unwiderruflich haben sie mit ihrer Idee der individuellen Lieben, die sich keinem Gesetz als dem eigenen beugt, die sich von niemanden unterwerfen lässt, niemanden dient außer sich selbst, die gesamte Welt in Brand gesteckt. Was unzählige Geschichten von Liebenden aus aller Welt bereits beschrieben hatten erhoben sie zur universalen Botschaft der Liebe selbst: „Liebe erschaffe dir dein eigenes Gesetz!“

Es ist ein gefährliches Feuer, dass sich allen vorgefassten Regeln widersetzt, wenn es dich ergreift wirst nur Du entscheiden können, wie Du damit umgehst.

Die romantische Liebe lebt jenseits von Gut und Böse, sie ist ein Feuer, welches zu bändigen, selbst allmächtige Götter nicht im Stande sind, aber davon soll im nächsten Post berichtet werden…

Coming soon: „Satan und die Liebe; Vom Feuer der romantischen Liebe Teil II“